Eine Führungskraft im Spagat zwischen Zielen und Team.

Führen das auch noch

Als Frank K. vor einem Jahr die Leitung der Abteilung übernahm, war die Freude über die Ernennung noch sehr groß. Die Zukunft des Unternehmens mitgestalten und endlich die Möglichkeit zu haben mit mehr Einfluss auch wirklich etwas bewegen zu können.

Am Anfang lief auch noch alles gut. Frank kniete sich in die Arbeit, er gewann die Anerkennung seiner Peers und wurde als Macher in der Leitungsebene über ihm bekannt.

Jedoch die Beziehung zu seinem Team wurde mit jeder Woche schlechter. Er begann sich zu fragen, was los sei und er fing an das Team zu analysieren. Auch sein eigenes Verhalten reflektierte er. „Ich bin doch immer bei den Team-Meetings und informiere meine Leute?“ Auch stand seine „Tür immer offen“ wenn jemand ein Anliegen hat. Er kam dem Problem nicht auf die Spur.

Die Wochen vergingen und Frank K. beobachtete, dass das „Problem“ immer gravierender wurde, er jedoch der Lösung noch keinen Schritt näher gekommen war.

Er entschied sich für ein Leadership-Coaching. Als er zu mir kam, erzählte er mir im Vorgespräch über sein Thema. Wir vereinbarten noch in der gleichen Woche einen Termin.

In unserem Termin lies ich ihn nochmals in wenigen Sätzen beschreiben, was genau die Problemstellung sei.

Um dem „Problem“ mit dem Team näher zu kommen, wechselten wir die Rollen. Für ein paar Minuten übernahm ich die Rolle des Abteilungsleiters und Frank K. nahm die Rolle des Teams ein.

Und auf einmal wurde ihm selbst klar, wo das Problem lag. Er war zwar in den Team-Meetings anwesend, aber nicht „da“. Seine Tür stand zwar offen, aber es traute sich niemand herein, weil er zu beschäftigt war.

Frank K. war so mit seinen „Hard-facts“ beschäftigt, dass sein Team unter „ferner liefen“ rangierte.

Seinem Team fehlte „Quality-Time“ mit dem Vorgesetzen; Frank K erkannte, dass es nicht auf die Menge der Meetings ankommt, sondern sich bewusst Zeit mit dem Team zu nehmen, auch wenn es weniger ist, als die üblichen Zeit-Slots.

Das Team hat jetzt wieder das Gefühl, dass der Chef zuhört und Inhalte auch zu Ende besprochen werden. Keine flüchtigen und oberflächlichen Antworten mehr.

Der Termin mit Frank K. und mir dauerte genau 45 Minuten. Seit dem hat sich in Frank K.’s Abteilung einiges geändert.

Gerade junge Führungskräfte geraten in diese Falle, sich komplett auf die „Hard-Facts“ zu konzentrieren und dabei ihr Team aus den Augen zu verlieren. Hier kann ein firmen-interner Mentor, ein Kollege oder ein Coach einen neuen Blickwinkel in den Alltag bringen.